Worte

Rede von Tina Kantel/Mutter

Mir zerreißt es das Herz. Was soll ich sagen …. Diese Endgültigkeit ….  Dieser Schmerz….  Seit dem 26 Oktober 2013, als die Diagnose Ewing Sarkom überraschend auf uns einschlug, haben wir alles getan was uns in der Macht stand und möglich war.

Wir hatten zuvor schöne Urlaube mit Florian und eine sehr schöne, wenn auch kurze Zeit. Florian hat auf seine Art die Leute zum lachen gebracht war lustig und hat Party gemacht. Florian verbrachte viel Zeit am Computer, Facebook und sein größtes Hobby zum Schluss das LOL Spiel, wodurch er viele Gleichgesinnte kennen lernte, die dies im Internet spielten. Sein Handy war, wie bei vielen von uns, sein ständiger Begleiter.

In der Rhea im Oktober 2014 lernte er Jugendliche/Gleichgesinnte kennen, die ähnliche Schicksale haben. Dass der Rückfall, das Rezidiv, so schnell zurück kam und so brutal… Damit hatte keiner gerechnet. Wir haben bis zum Schluss die Hoffnung nicht aufgegeben und gekämpft und Florian hat nie über sein Leid geklagt und war immer stark.

Würde Florian noch da sein, würde er sagen Joooo Wahrscheinlich … oder nicht Mama sondern Batman.  Er war zu allen Späßen bereit. Warum also sollte Florian aus dem Sinn sein, nur weil er aus dem Blick ist … Was auch immer wir für einander waren, sind wir jetzt noch immer.  Lasst ihn unter uns sein, in unsere  Mitte. Er hätte es so gewollt. Es hat sich nicht geändert. Ich warte auf Euch, irgendwo sehr nah. Alles ist gut.

Die Zeit ist viel zu kurz, um alles über Florian zu erzählen. Ich bedanke mich bei allen Freunden, die uns in der Schweren Zeit unterstützt haben. Wir werden im Laufe des Jahres, wenn wir die Kraft haben, eine schöne Feier im Sinne für Florian machen.

Lieben Dank, dass Ihr alle gekommen seit.

Im Namen der Familie In der Kirche gesprochen von Mama (Batman)

 

 

Rede von Miriam Kantel/Schwester

Flo Du bist für mich der stärkste Mensch der Welt. Nicht weil du besonders viele Muckis hattest oder breit wie der Türsteher warst, sondern weil du so stark warst und alles ertragen hast ohne zu meckern und zu jammern. Schau nur mich an, wenn ich Halsschmerzen hatte, hab ich schon Ibuprofen 800 genommen. Und das ist nichts, gegen deine ganzen Schmerzen, die du hattest. Aber du hattest statt dessen immer noch einen coolen Spruch auf den Lippen. Hast mich verarscht, indem du immer wieder meinen Klingelton abgespielt hast, um mich denken zu lassen mein Handy klingelt. Oder hast mich nachgemacht, wenn ich mit Tom das Telefonat beendet hab und ihn in dem Zug übers Telefon geküsst hab. Dementsprechend hast du mir auch den Spitznamen für Tom geklaut und ihn dann auch immer mit den Worten „Woodekid, wie geht’s dir?“ angeschrieben. Nur um uns zu ärgern. Weil dir das so viel Spaß gemacht hat.

Aus diesem Grund mochtest du wahrscheinlich auch „Yoko & Klaas“ so gerne. Denn die Beiden bringen genau das rüber, was du so gerne mochtest. Andere ärgern und Spaß dabei haben. Leider habe ich gefühlt erst zum Schluss mit dir angefangen die Show an zu gucken. Und am Anfang hab ich nicht so ganz verstanden, warum guckst du das? Was bringt dir das? Und dann saß ich immer öfter da und hab mit dir gelacht. Nicht nur wegen Yoko & Klaas, sondern vor allem wegen dir. Eigentlich so ein Scheiß. Nur Blödsinn, was die da machen. Aber halt dein Lifestyle. Genauso wie die Youtuber, denen du gefolgt bist und die du uns ständig zeigen wolltest, weil die so cool sind. „ Yoooo Waaahrscheinlich, Oooooder? „ – Immer und immer wieder. Wir haben das nicht verstanden.

Dein Spiel LOL war das selbe. Wie viel Zeit & Geld du in dieses Computerspiel investiert hast, konnten und wollten wir nicht verstehen. Es hat dich aus deiner realen unschönen Welt rausgeholt und dich vergessen lassen. Niemand aus deinem Spiel wusste, wie es dir wirklich geht, obwohl du Stunden, Tage wohl eher Monate dort verbracht hast. Wenn ich gekommen bin aus Nürnberg und dich versucht habe aus dieser Welt rauszuziehen, in die du dich geflüchtet hattest, war dieser Versuch meist zum Scheitern verurteilt. Bis in den Morgen saßt du am Rechner, hast mit deinen Freunden gezockt. Ein Spiel nach dem anderen. Aber verlieren war scheiße, das ging gar nicht. Wenn das der Fall war, hat man dich bis unten schreien und auf den Schreibtisch schlagen gehört. „Defeat“ – Hat der Pc gesagt und du musstest wieder von vorne anfangen. Konntest wieder von vorne anfangen.

Aber in der realen, echten Welt kann man das nicht. Dort hat man nur eine Chance. Und für diese hast du unermüdlich gekämpft. Du hast alles getan und gegeben und dein Lachen dabei nicht verloren. Das ist etwas, was wir uns von dir abgucken sollten. Deinen Spaß am Leben, egal wie Scheiße das Leben ist. Du hast es soweit es ging genossen. Hast Pläne geschmiedet für die Zukunft. Wolltest dich wieder in die Welt stürzen: Party machen, Mädels treffen, pumpen, saufen. LEBEN. All das tun, was dir Spaß gemacht hat. Aber vor allem raus in die Welt. Wenn auch nicht zu früh am Morgen.

Denn ein Morgenmuffel warst du schon. Ist ja auch klar. Denn wenn man bis Morgens früh um 5 oder noch später zockt oder feiern ist, dann kann man nicht um 8 oder 10 aufstehen. Das machte für dich auch gar keinen Sinn. Warum solltest du in der früh aufstehen, wenn die Nacht doch viel verlockender war. Nachts wach sein, wenn die Eltern schlafen und all das tun, was verboten war. Ich weiß ganz genau, wie du dich gefühlt haben musst. Denn ich war genauso. Ich hab mich zwar Nachts nicht aus dem Haus geschlichen, um auf Partys zu gehen und Mädels zu besuchen. Aber ich hab in meiner Jugend auch mehr als genug Alkohol getrunken und auch mehr als einmal gekotzt. Weil es verboten war und es so viel Spaß machte. Alle deine Freunde um dich herum. Alle betrunken. Nur Blödsinn im Kopf. Aber Spaß ohne Ende.

Aber nicht nur das hat uns beide verbunden. Sondern auch die Liebe zur Mode. Ich hab dich mit zu meinem Friseur geschleppt, zwar nicht um dir den Wunsch zu erfüllen schwarze Haare zu haben, sondern um dir einen coolen Schnitt zu verpassen. Weil ich wusste, dass dir meine Meinung viel bedeutet. Immer wieder hast du mich gefragt, wie ich die Musik oder das T-Shirt finde. Weil wir auf einer Wellenlänge sind. Du hast alles für mich mitgemacht, bist beispielsweise auch einfach in den Park mitgegangen mit mir und einer Freundin und hast Fotos von uns gemacht. Hast dich dafür sogar auch schminken lassen. Daher stammt das Bild, was hier vorne steht. (Kapelle) Weil du einfach mitgemacht hast. Du warst nie schwierig. Auch nicht was Essen oder Filme angeht.

Klar hattest du deinen eigenen Geschmack, welcher nicht unbedingt meiner war. Aber du hast andere Menschen akzeptiert so wie sie sind. Hast für mich Filme angeschaut, die du sonst wahrscheinlich nie gesehen hättest, weil ich für dich das selbe getan hab. Filme und Serien waren mitunter auch das Größte für dich. Vor allem „Marvel-Filme“, die Fantasy pur sind. Grenzenlos. Eine andere Welt. Oder Serien, wie „The Vampire Diaries“ oder „The Originals“, die auch eine Welt zeigen, die es so nicht gibt. Und diese Liebe für diese Welt, die teilst du mit mir. Denn ich kann es verstehen, immer und immer weiter gucken zu wollen. Nicht mehr aufhören zu können. Auf Englisch weiter zu gucken, wenn es auf deutsch nicht weiter geht. Wobei du ja auch festgestellt hast, das die englische Sprache an sich viel cooler ist als die Deutsche. Weil du mit ihr so viel schöner ausdrücken kannst. Und dann warst du viel weiter bei den ganzen Serien, weil du auf Englisch ja viel mehr sehen kannst und wolltest mir immer alles verraten. Hast du aber nicht. Weil du Schlitzohr mich nur ärgern wolltest, bzw. anspornen weiter zu gucken. Weil du wolltest, dass ich genau den selben Spaß, den selben Nervenkitzel erfahre, wie du. Aus diesem Grund haben wir auch zusammen gezockt. Nicht deine Computer Spiele. Ich meine Playstation Spiele. Und du hast mich auch da wieder ausgelacht, wie schlecht ich war und mich nicht getraut hab rum zu schießen. Hast mir immer wieder gezeigt, wie es richtig geht. Weil du auch da wusstest, wie man richtig kämpft.

Kämpfen das konntest du. Unermüdlich. Und das haben wir für dich getan. Das werden wir auch weiter hin tun. Versuchen weiter zu kämpfen, dieses Leben zu besiegen. Weiter zu machen. Spaß zu haben, so wie du ihn hattest. Und all das was wir oder du geplant hattest zu tun, sei es auf Konzerte/Festivals gehen, mit Haien tauchen oder L.A. sehen, werden wir für dich und mir dir tun. Weil unser Leben weiter ging, in dem Moment in dem deines geendet hat.

Wir müssen nun lernen diese Schmerzen zu ertragen. Und sollten uns ein Vorbild an dir nehmen. Ich bin mir zwar sicher, wir werden niemals so stark sein, wie du. Aber wir werden unser Bestes geben. Weil du unser Vorbild bist. Unser Superheld.

 

 

Rede von Tom Weinhold/Freund von Miriam

Hallo zusammen, hey Flo, schön, dass ihr alle da seid. Es ehrt den Flo sehr, dass heute so viele Leute da sind, um sich von ihm zu verabschieden. Ich durfte den Flo leider nur 7 Jahre in seinem Leben begleiten – auf dem Weg vom Jungen hin zu einem jungen Erwachsenen. Ich habe da einen Menschen kennengelernt, der trotz seines jungen Alters absolut inspirieren kann. Ich habe einen Menschen kennengelernt, der durch seinen Humor, seine coole Art, Menschen zum lachen bringt und antreibt … ein Trendsetter!

Ich habe ihn das letzte Jahr seit seiner Krebserkrankung – insbesondere die letzten Monate nach dem Rückfall, sehr intensiv begleiten dürfen. Flo hat dieses Jahr unglaublich viel durchmachen müssen. Viele Chemos, Bestrahlungen und auch Operationen. Viele Hochs und Tiefs … und gerade während der Niederschläge habe ich einen Menschen gesehen, der immer wieder aufgestanden ist und gekämpft hat, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe.

Wir alle haben im alltäglichen Leben immer wieder Probleme, die uns umhauen – Stress im Job – Streit mit Freunden … aber diese Probleme sind meist ganz klein, gegen die Schmerzen die Flo erleiden musste … aber er ist immer wieder aufgestanden und hat gekämpft – mit 200 %. Und durch die Unterstützung der Familie hat er das auch sehr lange geschafft. Miriam, Dominik, Pierre und Martina – ihr habt euer Leben komplett aufgegeben und eure ganze Kraft, euren ganzen Lebensinhalt auf Flo konzentriert – ihr habt ihm Stärke gegeben – ihr habt ihm Mut gemacht und ihr standet ihm bis zur letzten Sekunde bei … Tag & Nacht. Bei einem Kampf den wir leider nicht gewinnen konnten.

Doch lasst uns nicht zu lange über die Krankheit sprechen. Lasst uns über diesen coolen 17 jährigen Typen sprechen. Er war n alter Zocker … Playstation, PC … unzählige Nächte, die er da seiner Leidenschaft nachgegangen ist. Ich erinnere mich da an eine kleine Anekdote, als ich vor kurzem bei ihm übernachtet habe: Wir sind gegen 1 Uhr Nachts ins Bett – Flo saß noch immer an seinem PC und hat dieses komische Spiel League of Legends online mit seinen Kumpels gespielt. Nach zwei Stunden … saß er immer noch da – gefangen in der virtuellen Welt … starrer Blick, viereckige Augen. Ich habe ihn dann irgendwann gefragt, ob er es nicht mal in Erwägung ziehen möchte den PC auszumachen, da wir nicht schlafen konnten. Er meinte dann, dass es noch 5 Minuten dauert, bis das Spiel zu ende ist … morgens um halb 6, nach weiteren 4 Stunden, war das Spiel dann vorbei … da hat er sich einfach bisschen in der Zeit vertan.

Er war n kleiner Lebemann. Viel Party … Mädels … Alkohol … ich weiß noch wie er Silvester vor zwei Jahren bei uns in Nürnberg angerufen hat … total dicht … „er weiß nicht mehr wie er heimkommt, wir sollen ihn doch bitte abholen“ …. 400 KM – aber auch das war ok, weil Jugendliche in seinem Alter einfach so was machen – haben wir alle mal erlebt, oder? Er hat gelebt … und es hat ihm Spaß gemacht zu leben. Auch die Musik hatte da viel Platz  … Bands wie Imagine Dragons, Linkin Park und Macklemore liefen rauf und runter auf voller Lautstärke, bis die Mama dann an der Tür stand und ermahnend klopfte. Leiser gemacht hat er meistens nur kurz … bis die Mama dann wieder weg war. Er war einfach durch und durch ein Schlitzohr… jemand der Leute gerne erschreckt hat. Nachts über das Fenster mit seinem Bruder ausgebüxt ist, Streiche gespielt hat und vor allem … immer … egal zu welcher Zeit einen coolen Spruch auf den Lippen hatte … und das selbst in der Zeit, als es ihm sehr schlecht ging.

Wir alle hätten sicher gerne viel mehr Zeit mit ihm verbracht … gesehen wie er feiert, arbeitet, liebt und lebt. Doch das alles bleibt uns verwehrt – was aber bleibt ist die Erinnerung an eine schöne Zeit mit ihm. Seine Freunde werden sich sicher an die Zockabende erinnern oder an die Partys … seinen Familie vielleicht an die tollen gemeinsamen Urlaube oder DVD-Abende.

Wir alle werden ihn vermissen und es tut unglaublich weh jemanden so jungen zu verlieren … das Gefühl, wenn man vor Schmerz nicht mehr richtig atmen kann, dieses dunkle Loch, in dem man gefangen ist! Aber Flo hätte nicht gewollt, dass wir am Boden liegen. Eine sehr wichtige Person in seinem Leben – die Jacki – hat uns eine tolle SMS an Silvester geschrieben, die das sehr gut beschreibt: „Hey hier ist Jacki, ich wollte euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen und ich hoffe ihr feiert, denn so hätte es Florian gewollt, dass sein Leben gefeiert wird und dass wir weiter machen…“ Er würde wollen, dass wir aufstehen und kämpfen und über ihn erzählen … mit einem Lachen im Gesicht. Dadurch lebt er weiter … in den Geschichten, Anekdoten und Gedanken. Und auch wenn das im Moment sehr schwer fällt – Flo ist erlöst und jetzt sind es wir die mit dem Schmerz und mit der Trauer umgehen müssen … aber wir werden für dich aufstehen, Flo und dich als coolen Typen in Erinnerung behalten.

Ich werde dich vermissen, Kumpel. Vielen Dank!